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Exkursion zum größten Zoo in Rheinland-Pfalz

Kurz vor dem Abschluss stand für die Klassenstufe 12 noch ein etwas anderer Unterrichtsgang an. In der vergangenen Woche besuchte die Klasse 12a mit ihrem Biologie- und GP-Lehrer Herr Thoma den Zoo Neuwied. Ziel des Unterrichtsgangs waren mehrere Oberstufenthemen.

So wurden lebendige Beispiele für Evolution gesucht, typische Entwicklungen bei Tiergruppen, evolutionäre Überreste und Anpassungsformen, die es den Tieren ermöglichen, in ihrer speziellen ökologischen Nische erfolgreich zu sein.

Schimpansen3Ein anderes Thema war der im Unterricht ausführlich besprochene Aspekt der Kommunikation innerhalb einer Art, aber auch zwischen zwei Arten. Mit Übungen zur Individuenbeobachtung und Verhaltensdokumentation konnten die Schülerinnen ihre Fähigkeiten trainieren, aber auch das in der Theorie Besprochene selbst erleben. Dabei wurde auch noch einmal deutlich, wie ähnlich wir Primaten uns sind – beim Kommunizieren, aber auch im Sozialverhalten oder bei so einfachen Verhaltensweisen wie dem zu Bett gehen. So erkannten die Schülerinnen bei den Beobachtungszeiten unglaublich viele kleine Details, die deutlich zeigen, dass auch andere Affenarten eine Kultur haben und diese ausleben. Die Akzeptanz, dass auch wir Menschen nur eine Affenart sind, lässt sich viel einfacher erleben, wenn man Schimpansen und Menschen in den kleinen Dingen des Alltags vergleicht und mit eigenen Augen erlebt, dass uns mehr Dinge verbinden als trennen.

Totenkopfäffchen2Ein wichtiges Thema der Exkursion war auch der kritische Blick auf die Tierhaltung und die gesellschaftliche Aufgabe von Zoos. Immer wieder suchte die Gruppe das Gespräch, welchem Zweck die Gehegekonstruktionen dienten. Eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Tierhaltung führte dann aber eben auch immer mal wieder zu kleinen Enttäuschungen: Tieren ausreichenden Rückzugsraum zur Verfügung zu stellen, endet eben auch oft damit, dass sich diese Tiere zurückziehen und nicht zu sehen sind. Der aufklärerische Aspekt von Zoos bei der Bildung um Ökosysteme und Tiere kam auch nicht zu kurz – auch immer verbunden mit der Frage, ob die präsentierten Arten vor allem dem Artenschutz und der Aufklärung oder doch eher Erwartungshaltung der Besucher dienen. In der Essenspause gab es, wie es sich für das Niveau einer Oberstufe gehört, auch die kritische Frage nach den formalen und finanziellen Einschränkungen, denen ein Zoo unterliegt. Die recht einzigartige Form des Neuwieder Zoos als Förderverein, der nicht auf Gewinne als wirtschaftliches Unternehmen oder schwankende Stadtkassen als städtische Einrichtung angewiesen ist, sondern vor allem sich selbst tragen können muss, zeigte dann auch, warum man hier einen sehr modernen Zoo vorfinden kann. Und trotzdem stand er in der Corona-Zeit kurz vor dem Aus und konnte nur durch viele Spenden am Leben gehalten werden.

Amphibien1Für einen Schulausflug sehr positiv auffällig war bei allem Spaß und aller Freude die immer herrschende Ernsthaftigkeit und der Wissensdurst. So wurden auch einheimische Amphibien und ihre Bedrohungssituation genauso ernst genommen, wie die Bedrohung der Tiger. Und es ergaben sich unglaublich reflektierte Gespräche zur umweltschonenden Gartengestaltung sowie zu den jeweils eigenen Möglichkeiten, sich im Bereich Umweltschutz effektiv zu beteiligen.

Goldfasan44Das Highlight des Tages waren sicherlich Schimpansen und Seehunde, aber auch die Berberlöwen, Totenkopfäffchen, Erdmännchen, Varis, Faultiere sowie viele Vogelarten wussten zu überzeugen. Der vor allem auf Grund seiner Geschichte eng mit Australien und Südamerika vernetzte Zoo Neuwied präsentierte sich bei allerbestem Besuchswetter und verschaffte der Exkursionsgruppe einen zwingenden Grund, den gut sechseinhalbstündigen Besuch mit einem Eis im Zoo-Café zu beenden. Und auch der Humor kam natürlich nicht zu kurz: So wurde beispielsweise aus dem sich dauernd in der Vordergrund drängenden Hahn des Goldfasans mit der goldenen „Haarpracht“ schnell der neue Donald Trump des Zoos. Auf den einzigen Schüler musste die Klasse auf Grund eines falsch-positiven Corona-Tests leider beim Ausflug verzichten, obwohl die Schülerinnen in gewisser Süffisanz meinten, diesen eventuell auf der anderen Seite einer Gehege-Begrenzung gesehen zu haben.

on 21 Juni 2022
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